Kleiner Ratgeber: Demenz
Die Diagnose Demenz ist zunächst für alle ein Schock, sowohl für den Betroffenen als auch für die Angehörigen. Eine verständliche Reaktion, denn die Krankheit macht den Betroffenen nicht nur in absehbarer Zeit zum Pflegefall - sie verändert ihn auch in seinem Innersten, seiner Persönlichkeit. In einem schleichenden, oft über Jahre andauernden Prozess nimmt die Krankheit dem Betroffenen erst seine Selbstständigkeit, dann seine Erinnerungen und schließlich sein Wesen selbst. Der Demenzkranke fühlt sich mit Fortschreiten der Krankheit immer hilfloser und unverstandener von seiner Umgebung, und reagiert bisweilen launisch oder gar aggressiv.
Ein demenzkrankes Familienmitglied verlangt der ganzen Familie ein hohes Maß an Kraft, Geduld und Einfühlungsvermögen ab. Trotzdem entscheidet sich ein Großteil der Angehörigen für eine Pflege des Demenzkranken zu Hause. Unabhängig davon ob Sie sich für eine Betreuung in der Familie entscheiden oder das Angebot einer Pflegeeinrichtung wahrnehmen, ist es notwendig sich intensiv mit dem Thema Demenz auseinanderzusetzen. Zwar ist die Krankheit bisher in den meisten Fällen nicht heilbar, jedoch lassen sich durch Verständnis und Fürsorge viele Konflikte vermeiden und die Lebensqualität des Erkrankten auf diese Weise möglichst lang erhalten.
Demenz verstehen
Demenzformen
Im Überblick lassen sich zwei Formen der Demenz unterscheiden.
Bei einer primären Demenz führt das Absterben von Nervenzellen zu einem schleichenden Verlust der Hirnfunktionen. Die Schäden sind irreparabel. Die primäre Demenz macht den Großteil der Demenzerkrankungen aus, die bekannteste Form ist die Alzheimer-Krankheit.
Eine sekundäre Demenz tritt häufig als Folgeerscheinung einer anderen Erkrankung auf. Dazu zählen etwa Hirnverletzungen, Herz-Kreislauferkrankungen oder Gesundheitsschäden infolge exzessiven Alkohol- oder Drogenkonsums. Wenn hierbei die Grunderkrankung rechzeitig therapiert wird, sind die Demenzschäden oft heilbar.
Risiko Alter
Das Risiko an Demenz zu erkranken steigt mit dem Alter drastisch an, die meisten Patienten sind über 65 Jahre alt. Auf Grund ihrer höheren Lebenserwartung sind prozentual mehr Frauen als Männer von Demenz betroffen. Infolge des zunehmenden Anteils älterer Menschen an der Gesellschaft wird auch eine Zunahme der Demenzerkrankungen erwartet.Leben mit Demenz
Viele Denkprozesse und Handlungen, die für gesunde Menschen selbstverständlich erscheinen, überfordern einen Demenzkranken schlichtweg. Im Verlauf der Krankheit büßen Demenzkranke die Fähigkeiten zu Lernen oder sich zu Erinnern immer stärker ein. Dabei sind sich die Betroffenen ihren nachlassenden Kräften durchaus bewusst, sie spüren wie sie zunehmend die Kontrolle über sich selbst verlieren. Viele reagieren mit Wut, Trotz oder Verzweiflung. Wenn ein Familienmitglied an Demenz erkrankt und die Angehörigen nicht ausreichend über die Krankheit informiert sind, kommt es dann häufig zu Konfliktsituationen. Dabei kann ein sensibler, verständnisvoller Umgang mit dem Demenzkranken die Kommunikation deutlich verbessern. Aus diesem Grund ist es wesentlich, sich in die Gefühls- und Erfahrenswelt des Betroffenen hineinzuversetzen. Den Betroffenen zu verstehen heißt auch ihm helfen zu können und auf diese Weise seine Lebensqualität so lange wie möglich zu erhalten.Demenz erkennen
Leichte Demenz
Erste Anzeichen für eine Demenz? Der Betroffen …
- vergisst häufiger Termine oder sucht nach Dingen
- hat Schwierigkeiten mit gewohnten Tätigkeiten
- wirkt unbesonnen im Umgang mit Finanzen
- findet sich schwer in neuen Umgebungen zu Recht
- wirkt oft unmotiviert, niedergeschlagen oder müde
- vernachlässigt Hobbies oder den Freundeskreis
- zeigt deutliche Persönlichkeitsveränderungen
- streitet Fehler oder Irrtümer hartnäckig ab
Mittlere Demenz
Das Kurzzeitgedächtnis versagt zunehmend, und nicht abgeschlossene Handlungen im Haushalt können mitunter lebensbedrohlich werden. Bei dem Großteil der Demenzkranken lässt die Sprach- und Lesefähigkeit nach. Häufig bringen die Betroffenen Realität, Erinnerung und unwirkliche Ereignisse (z.B. eine Fernsehsendung) durcheinander. Viele flüchten sich in Erinnerungen an ihre Kindheit oder Jugend zurück. Da diese Erfahrungen länger zurückliegen, sind sie im Langzeitgedächtnis auch bei fortschreitender Demenz noch länger präsent.Schwere Demenz
Im Folgenden erleidet auch das Langzeitgedächtnis schwere Schäden. Spätestens jetzt erkennen die Betroffenen auch ihre nahen Angehörigen nicht mehr und verlieren vollständig den Bezug zu Raum und Zeit. Oft ist auch der Tages- und Nachtrhythmus gestört. Im Endstadium der Krankheit verliert der Demenzkranke jegliche Kontrolle über seinen eigenen Körper, einfachste Handgriffe können nicht mehr selbst verrichtet werden.Therapiemöglichkeiten
Der Schwerpunkt sollte dabei stets auf die nachhaltige, nicht-medikamentöse Pflege gelegt werden. Eine erfolgreiche Therapie ist individuell auf den geistigen, körperlichen und seelischen Zustand des Erkrankten abgestimmt und wird mit Fortschreiten der Krankheit immer wieder entsprechend optimiert.
Kunst- und Musiktherapie
Durch Klang- und Farberfahrungen werden alle Sinne des Demenzerkrankten angesprochen.Kinästhetik
Auf die Bedürfnisse des Demenzkranken abgestimmt, wird die Bewegungsfähigkeit hinsichtlich alltäglicher Aktivitäten trainiertVerhaltenstherapie
Im frühen Stadium der Krankheit wird im Gespräch mit einem Psychologen oder Psychotherapeuten der Umgang mit der Demenz verarbeitet.Milieutherapie
Die Lebensräume werden individuell unter Berücksichtigung der Vorlieben des Demenzkranken gestaltet, sodass er sich darin wohl und zu Hause fühlt.Biographiearbeit
Eine gemeinsame Beschäftigung mit der Biographie des Demenzkranken weckt positive Erinnerungen, und hilft Pflegenden später das Verhalten des Betroffenen besser zu beurteilenKognitives Training
An die Leistungsfähigkeit des Demenzkranken angepasst, werden seine geistigen Kompetenzen gezielt trainiert und_gefördertValidation
Die Pflegenden gehen hierbei besonders einfühlsam und bejahend auf den Demenzkranken ein. Durch Bestätigung_wird Vertrauen gestiftet.Basale Stimulation
Insbesondere bei schwer Demenzkranken umfasst dies die Anregung der Sinne mithilfe von Berührung, Musik, Gerüchen und Geschmack.Tipps für die Betreuung
Es nützt also nichts dem Betroffenen in gewissen Situationen mit Belohnung oder gar Strafe zu drohen, wenn er sein Verhalten doch beim besten Willen nicht ändern kann. Fühlen Sie sich stattdessen in die Erfahrenswelt Ihres demenzkranken Familienmitglieds ein und lernen Sie auf diese Weise sein Verhalten zu verstehen. Während die geistigen Fähigkeiten zunehmend nachlassen, wird das Bewusstsein durch die Krankheit nicht getrübt und der Demenzkranke nimmt Empfindungen intensiv wahr.
Ein sensibler Umgang mit dem Demenzkranken kann die Kommunikation deutlich verbessern, und erleichtert die Pflegesituation für den Betroffenen und die Angehörigen. Sorgen Sie darüber hinaus für regelmäßige Bewegung sowie eine ausgewogene Ernährung des Erkrankten, und gehen Sie regelmäßig mit ihm zum Arzt um eventuelle Begleiterkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln
- Seien Sie geduldig und lassen Sie dem Betroffenen genug Zeit zum_Reagieren!
- Stellen Sie vor jedem Gespräch Blickkontakt mit dem Demenzkranken her und sprechen Sie ihn namentlich an.
- Geben Sie klare Anweisungen. Jeder Satz sollte nur eine Information enthalten, wichtige Informationen müssen Sie gegebenenfalls mehrfach wiederholen.
- Unterstreichen Sie Ihre Worte durch einen sanften Ton, Lächeln und Berührungen.
- Stellen Sie noch Möglichkeit keine offenen Fragen.
- Loben Sie statt zu Kritisieren
- Überhören Sie Vorwürfe und Anschuldigungen.
- Vermeiden Sie Diskussionen. Geben Sie im Zweifelsfall dem Erkrankten Recht.
- Sorgen Sie für Beständigkeit im Tagesablauf. Sichtbar angebrachte Uhren, Kalender oder Fotos von Familienangehörigen können ein Gefühl von Sicherheit vermitteln.
- Räumen Sie falsch platzierte Gegenstände unbemerkt an ihren richtigen Platz zurück.
- Übernehmen Sie nicht alle Aufgaben für den Kranken. Lassen Sie ihm Zeit leichte Handgriffe selbst zu erledigen, oder übergeben Sie ihm bewusst einfache Aufgaben im Haushalt. Auf diese Weise stärken Sie nachhaltig sein Selbstwertgefühl.
- Sprechen Sie alle Sinne des Erkrankten an.
- Erinnern Sie den Betroffenen an Erlebnisse aus seiner Kindheit oder Jugend. Mit dieser Zeit werden oft positive Gefühle verbunden.
Tipps für pflegende Angehörige
Sorgen Sie auch für sich selbst.
Vergessen Sie über die Pflege eines demenzkranken Angehörigen nicht sich selbst und Ihre Bedürfnisse. Auf keinen Fall sollten Sie auf Ihre Hobbies oder Ihren Freundeskreis verzichten, dies sind wichtige Stützen in einer anstrengenden Zeit. Sportliche Betätigung kann ebenso helfen wie Autogenes Training um einen Ausgleich zur Pflege zu schaffen. Nehmen Sie rechtzeitig eine Auszeit von der Pflege, z.B. indem Sie das Kurzzeitpflegeangebot nutzen.Nehmen Sie Hilfe an.
Teilen Sie sich die pflegerischen Aufgaben mit anderen Familienmitgliedern oder beschäftigen Sie eine Teilzeitpflegekraft. Wenn Sie sich die Pflege mit anderen Familienangehörigen teilen, halten Sie die Aufgabenverteilung schriftlich fest, um Missverständnissen vorzubeugen.Beanspruchen Sie das Angebot der Tagespflege.
Wenn Sie Ihr demenzkrankes Familienmitglied nicht in eine Pflegeeinrichtung geben wollen, können Sie dennoch das Angebot der Tagespflege nutzen. Viele Einrichtungen sind auf Demenzkranke spezialisiert und bieten individuelle, fördernde Therapieangebote an.Tauschen Sie sich mit anderen pflegenden Angehörigen aus.
Im Internet oder vor Ort können Sie sich in Selbsthilfegruppen mit anderen pflegenden Angehörigen austauschen. Oft hilft es schon zu wissen, dass man mit dieser schwierigen Situation nicht ganz allein ist.Die langjährige Betreuung eines pflegebedürftigen Menschen ist ein enormer Kraftakt. Eine Belastung, die bei Pflegenden zu seelischen oder körperlichen Langzeitschäden führen kann. Ein Großteil übergeht die Signale des eigenen Körpers - immer die eigene Durchhalteparole im Hinterkopf: Ich muss das schaffen! Der anonyme Selbsttest von Seniorplace ermöglicht es Ihnen, die Warnsignale körperlicher oder seelischer Überlastung frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu reagieren.






