
Wie erkenne ich ein gutes Pflegeheim



Oktober 2007



Eines vorweg: Das perfekte Heim gibt es nicht. Auch gute Heime arbeiten personell am Limit - ein Heim ohne Mängel kann es deshalb nicht geben. Wenn die Heimleitung sagt, bei uns gibt es keine Beschwerden, ist das ein schlechtes Haus.
Ein gutes Heim zu finden ist harte Arbeit. Denn eine einfache Formel gibt es nicht. Ein teures Heim ist nicht automatisch ein gutes Heim, ein günstiges nicht automatisch schlecht. Die erste Frage ist: Will der Pflegebedürftige in dem Ort bleiben, in dem er lebt, hat er dort noch Freunde? Oder sucht man ein Heim, das nah am eigenen Wohnort ist?
Im zweiten Schritt schaut man die Häuser an, die geografisch in Frage kommen. Vertrauen Sie dabei Ihrem Bauchgefühl und achten Sie auf Äusserlichkeiten! Stehen drei Putzeimer im Flur, ist kein Mensch zu sehen, riecht es nach Urin und Kot und Zigaretten, dann gehen Sie wieder. Wenn allerdings die Einrichtung unmodern ist und Sie denken: "Da würde ich niemals leben wollen", hat das nicht unbedingt einen Aussagewert. Ein alter Bauernschrank, Haustiere - das erinnert Ihre Mutter vielleicht an ihre Kindheit. Nicht Sie, sondern Ihre Mutter muss sich in dem Heim wohl fühlen. Deshalb: Fragen Sie sie nach ihrer Meinung und beachten Sie ihre Vorlieben! Wenn die Mutter beispielsweise ein religiöser Mensch ist, braucht man ein Heim, in dem es regelmässig Gottesdienste gibt.
Im dritten Schritt sprechen Sie mit der Heimleitung, dem Pflegepersonal und mit anderen Angehörigen. Es gibt Häuser, die kritischen Angehörigen Hausverbot erteilen. Ein gutes Heim macht das nicht, das hat einen Angehörigenbeirat. Das Gespräch mit der Heimleitung ist zentral. In einem guten Heim wird man viel über Ihre Eltern wissen wollen - um dann beispielsweise dem Vater, der gern Musik hört, morgens das Radio einschalten zu können. Danach müssen Sie Fragen stellen, etwa: Meine Mutter isst sehr langsam und braucht eine halbe Stunde Zeit für ihr Frühstück, ist dafür genug Zeit? Oder wird Menschen die angeblich Schwierigkeiten beim Essen machen, rasch eine Magensonde gelegt? Bestimmen die Bewohner den Tagesablauf oder die Heimordnung? Das können Sie auch überprüfen: Schauen Sie an einem sommerlichen Abend um 18 Uhr unangemeldet vorbei. Sind alle Bewohner im Bett, weil das Personal später keine Zeit mehr hat, ist das ein schlechtes Zeichen. Weitere Fragen sind: Wie werden die Bewohner beschäftigt? Arbeitet das Heim gut mit einem Hospizdienst zusammen? Wie ist die fachärztliche Betreuung? Wird das Essen im Haus gekocht? Für Demenzkranke ist Essensduft wichtig. Die Liste möglicher Fragen ist lang: nicht alle müssen positiv beantwortet werden. Wenn man Ihnen alles verspricht, ist das kein gutes Zeichen. Nochmals: Ein Heim ohne Mängel gibt es nicht. Und es gibt kein Heim, das grundsätzlich und für jeden Pflegebedürftigen gut ist. Dazu sind wir zu verschieden.
FÜR WEITERE INFORMATIONEN:
Bundesinteressenvertretung und Selbsthilfeverband der Bewohnerinnen und Bewohner von Altenwohn- und Pflegeeinrichtungen, Tel.022 54/70 45, www.biva.de Bei der Suche nach einem passenden Heim helfen kostenlos der AOK-Pflegenavigator (www.aok-pflegenavigator.de) und der Vermittlungsservice Seniorplace (www.seniorplace.de)
Brigitte 22/2007











