Pflegestufen

Kann eine Person aufgrund von Behinderung oder Krankheit den Alltag nicht dauerhaft selbstständig bewältigen, liegt eine Pflegebedürftigkeit vor. Seit 1996 können Betroffene Leistungen aus der Pflegeversicherung beantragen; diese ist an die bestehende Krankenversicherung gekoppelt. Entsprechend dem Umfang an benötigter Hilfestellung wird der Grad der Pflegebedürftigkeit in drei Pflegestufen unterteilt. Demnach kann eine Erhebliche Pflegebedürftigkeit (Pflegestufe I), eine Schwerpflegebedürftigkeit (Pflegestufe II) oder eine Schwerstpflegebedürftigkeit (Pflegestufe III) vorliegen. Eine sogenannte Härtefallregelung (auch Pflegestufe IV genannt) kann bei einem außergewöhnlichen hohen Pflegeaufwand in Anspruch genommen werden.

Expertentipp

Gertrud Graf

Leitung Kundenservice
Seniorplace

Stellen Sie den Antrag auf Pflegestufe so früh wie möglich, denn Ihr Leistungsanspruch besteht dann auch rückwirkend ab Antragstellung. Zögern Sie also nicht, eine Pflegestufe zu beantragen!
Antrag Pflegestufe

Seit 01.01.2012 stehen Pflegebedürftigen folgende Pflegesachleistungen durch die Krankenversicherung bzw. Pflegekasse nach § 36 und § 45b des XI. Sozialgesetzbuches (SGB XI) zu:

Pflegestufe Stufe 0 Stufe I Stufe II Stufe III
Kostenübernahme kein Anspruch bis zu 450,- Euro bis zu 1.100,- Euro bis zu 1.550,- Euro
Kostenübernahme bei eingeschränkter Alltagskompetenz bis zu 225,- Euro bis zu 665,- Euro bis zu 1.250,- Euro bis zu 1.550,- Euro
Kostenübernahme bei vollstationärer Pflege kein Anspruch 1.023,- Euro 1.279,- Euro 1.550,- Euro

Pflegestufen nach Minuten

Der tägliche Pflegebedarf entscheidet

Bei der Ermittlung der Pflegestufe wird ein deutlicher Schwerpunkt auf die Bewältigung der Grundpflege gelegt, d. h. welches Maß an Hilfestellung und zeitlicher Aufwendung bei der Verrichtung der Körperpflege, bei Toilettengängen, beim Ankleiden und bei der Nahrungsaufnahme notwendig ist. Hilfestellungen bei freizeitlichen Erledigungen oder die allgemeine Beaufsichtigung der oder des Betroffenen werden bei der Einstufung kaum berücksichtigt.

Unsicher, welche
Pflegestufe?

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Wie hoch sind die
Pflegekosten?

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Pflegestufe Stufe I Stufe II Stufe III Härtefall
Gesamte Pflegezeit tägl. mindestens 90 min 180 min 300 min 430 min
Davon Grundpflege mindestens 46 min 120 min 240 min 240 min
Davon Nachtpflege mindestens - - - 120 min
Weitere Voraussetzungen mindestens 2 Verrichtungen der Grundpflege Hilfe zu mind. 3 versch. Zeiten (rund um die Uhr) Hilfebedarf jederzeit (rund um die Uhr) alternativ: Sonderfälle*

* Auch nachts werden regelmäßig 2 Pfleger gleichzeitig benötigt (z. B. Lagerung eines Übergewichtigen)

Pflegestufe beantragen

So gehen Sie vor:

Sie oder Ihre Angehörigen stellen schriftlich den Antrag auf Pflegeleistung bei Ihrer Pflegeversicherung. Nutzen Sie dafür gerne unser praktisches Onlineformular: Antrag auf Pflegeversicherung.

Nach einer Antragstellung setzt sich die Pflegeversicherung mit dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) in Verbindung. Ein Gutachter des MDK – in der Regel eine Pflegefachkraft oder eine Ärztin/ein Arzt - vereinbart einen Besuchstermin, der nach Möglichkeit in der gewohnten Umgebung der Seniorin oder des Seniors stattfindet. Dabei wird geprüft, in welchem Umfang Pflegebedarf besteht und welche Pflegestufe vorliegt.

So stellen Sie den Antrag auf Pflegestufe bei Ihrer Pflegekasse

Die Mitarbeiter des MDK sind dabei an die "Richtlinien zur Begutachtung von Pflegebedürftigkeit nach dem XI. Buch des Sozialgesetzbuches" (Begutachtungsrichtlinien BRi) gebunden.

In seinem Gutachten nimmt der MDK u. a. zu folgenden Kriterien Stellung:

  • Welche Voraussetzungen für eine Pflegebedürftigkeit werden erfüllt?
  • Inwieweit liegt eine Einschränkung der Alltagskompetenz vor?
  • Wann beginnt die Pflegebedürftigkeit bzw. der Bedarf an Höherstufung?
  • Welcher Pflegestufe wird der Pflegebedarf der oder des Betroffenen zugeordnet?
  • Ist der Pflegeaufwand außergewöhnlich hoch (Härtefallregelung, sogenannte Pflegestufe IV)?

Um schnell eine Vorstellung von der auf Sie zutreffenden Pflegestufe zu bekommen, benutzen Sie bitte unseren Pflegestufenrechner, der sich ebenfalls an den Begutachtungsrichtlinien orientiert.

Zusätzlich ist es empfehlenswert, den täglichen und nächtlichen Pflegebedarf mittels eines Pflegetagebuchs über eine Woche zu dokumentieren, um den MDK bei der Zuordnung der Pflegestufe zu unterstützen. Wichtig: Sollte Ihr Antrag auf Pflegestufe abgelehnt werden, können Sie das Pflegetagbuch zur Dokumentation des Pflegeaufwands Ihrer Widerspruchserklärung beifügen.

Wurde Ihr Antrag auf Pflegestufe abgelehnt?

Legen Sie Widerspruch ein:
  • Der MDK ist als unabhängiges Organ lediglich für die Begutachtung des Antragstellers zuständig, die Kranken- bzw. Pflegekasse prüft das Pflegegutachten und entscheidet, ob der Antrag bewilligt oder abgelehnt wird.
  • Ein Widerspruch muss schriftlich (!) innerhalb von 4 Wochen nach Erhalt des Ablehnungsbescheides direkt bei der zuständigen Kranken- bzw. Pflegekasse eingereicht werden. Wir empfehlen hierfür ein Einschreiben mit Rückschein.
  • Für Ihre Widerspruchserklärung formulieren Sie in einer kurzen Mitteilung, dass Sie Widerspruch einlegen möchten, Ihre Begründung nachreichen werden und um Akteneinsicht in das Gutachten des MDK fordern. Dieser Widerspruch muss von der pflegebedürftigen Person oder einem gesetzlichen Vertreter unterschrieben sein (hilfreiche Informationen zum Thema Vorsorgevollmacht finden Sie hier: Vorsorgevollmacht als PDF).
  • Prüfen Sie das Gutachten und finden Sie heraus, was zu einer Ablehnung geführt haben könnte. Häufig werden Hilfestellungen übersehen oder nicht als zeitintensiv erkannt, was z. B. zum Nichterreichen der erforderlichen Gesamtpflegezeit führt – oft fehlen wenige Minuten!
  • Nutzen Sie unsere praktische Vorlage für das Pflegetagebuch und tragen Sie darin den minutengenauen Pflegeaufwand für Ihre Widerspruchsbegründung ein. Ein Pflegedienst wird Sie bei der Widerspruchsbegründung gerne kompetent beraten.

Stationäre Pflege trotz Ablehnung der Pflegestufe?

Heimbedürftigkeitsbescheinigung

Viele stationäre Pflegeeinrichtungen benötigen für die Aufnahme eines Bewohners die sogenannte Heimbedürftigkeitsbescheinigung. Das bedeutet, dass der Medizinische Dienst der Krankenversicherung, kurz MDK, bei seiner Begutachtung der pflegebedürftigen Person die Bescheinigung ausstellen muss, dass eine stationäre Pflege erforderlich ist. Sind die Voraussetzungen für eine Erhebliche Pflegebedürftigkeit (Pflegestufe I) nicht erfüllt, kann die Bescheinigung dennoch ausgestellt werden. Hierfür wird im Allgemeinen die Bezeichnung „Pflegestufe 0“ verwendet.

Nähere Informationen zu den Pflegestufen: Pflegestufe I
Pflegestufe II
Pflegestufe III
Pflegestufe IV

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