Demenz

Diagnose Demenz - ein Schock für Betroffene und Angehörige

Bundesweit leiden etwa 1,4 Millionen Menschen an Demenz - die Diagnose ist zunächst ein Schock, sowohl für Betroffene als auch für Angehörige. Eine verständliche Reaktion, denn der über Jahre andauernde Prozess des schleichenden Gedächtnisverlusts nimmt Betroffenen zunächst die Selbstständigkeit, die Erinnerungen und schließlich das Wesen selbst. Alle Beteiligten spüren, wie sich gewohnte Familienstrukturen verschieben.

Demenz

Etwa 80 % der an Demenz erkrankten Menschen werden in Deutschland von Familienmitgliedern in der häuslichen Umgebung gepflegt. Oft ist eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung notwendig, was für pflegende Angehörige oft eine große seelische Belastung bedeutet, viele leiden gar an Depression. Unabhängig davon, ob Sie sich für eine Betreuung in der Familie entscheiden oder das Angebot einer Pflegeeinrichtung wahrnehmen, ist es notwendig, sich frühzeitig intensiv mit dem Thema Demenz auseinanderzusetzen.

Demenzkranke fühlen sich mit Fortschreiten der Krankheit immer hilfloser und unverstandener von ihrer Umgebung und reagieren bisweilen launisch oder gar aggressiv. Im Bewusstsein der Erkrankung haben viele Betroffene Sorge vor Stigmatisierung und Isolation. Gesellschaftliche Aufklärung und Akzeptanz sind daher erste Schritte zur Verbesserung der Lebensqualität von Betroffenen.

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Der Begriff Demenz umfasst eine Reihe von Erkrankungen, die alle zu einer kontinuierlichen Abnahme der geistigen, emotionalen und sozialen Leistungsfähigkeit führen. Das Risiko, an Demenz zu erkranken, erhöht sich mit zunehmendem Alter – in einer Gesellschaft, in der die Lebenserwartung kontinuierlich steigt, ist die Zunahme demenzieller Erkrankungen absehbar. Die meisten Patienten sind über 65 Jahre alt. Aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung sind prozentual mehr Frauen als Männer von Demenz betroffen.

Ursachen und Formen der Demenz

Oft werden die Begriffe Demenz und Alzheimer synonym verwendet, dabei ist Alzheimer eine Form der demenziellen Erkrankung. Es gibt eine Vielzahl von Demenzen, grundsätzlich wird zwischen zwei Formen unterschieden:

Bei einer primären oder auch vaskulären Demenz (VAD) führt das Absterben von Nervenzellen zu einer schleichenden Verschlechterung der Hirnfunktionen. Die Schäden sind irreparabel. Die primäre Demenz macht den Großteil der Demenzerkrankungen aus, die bekannteste Form ist die Alzheimer-Krankheit.

Eine sekundäre Demenz kann als Folgeerscheinung einer anderen Grunderkrankung, z. B. AIDS oder Parkinson auftreten. Auch Stoffwechselerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Hirnschäden infolge exzessiven Alkohol- oder Drogenkonsums oder Arzneimittelmissbrauchs können eine Demenz begünstigen. Wenn hierbei die Grunderkrankung rechtzeitig therapiert wird, kann die Leistungsfähigkeit des Gehirns abhängig vom Grad seiner bereits hervorgerufenen Beschädigung ganz oder teilweise stabilisiert werden.

Verlauf einer Demenz

Beeinträchtigt werden zunächst Gedächtnisleistung, Denkvermögen sowie Orientierungssinn. Im Verlauf der Krankheit nehmen auch das Sprachvermögen und die motorischen Fähigkeiten ab. Im schwersten Stadium der Krankheit verliert der Erkrankte jegliche Kontrolle über seinen Geist und Körper und muss rund um die Uhr betreut werden.

Morbus Alzheimer als bekannteste Form der Demenz

Alzeimer gehört zu den am häufigsten auftretenden Formen der Demenz und ist eine hirnorganische Erkrankung. Der Neurologe Alois Alzheimer (1864 - 1915) widmete der Krankheit erstmals Anfang des 20. Jahrhunderts eine wissenschaftliche Abhandlung. Charakteristisch sind der langsam fortschreitende Abbau von Nevenzellen und –synapsen und die damit verbundenen Eiweißablagerungen, sogenannte Plauqes, im Gehirn. Weitere Informationen erhalten Sie auf der Homepage der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e. V.: http://www.deutsche-alzheimer.de/

Leben und Alltag mit Demenz

Viele Denkprozesse und Handlungen, die für gesunde Menschen selbstverständlich erscheinen, überfordern einen Demenzkranken schlichtweg. Im Verlauf der Krankheit büßen Demenzkranke die Fähigkeiten zu lernen oder sich zu erinnern immer stärker ein. Dabei sind sich die Betroffenen ihrer nachlassenden Kräfte durchaus bewusst, sie spüren, wie sie zunehmend die Kontrolle über sich selbst verlieren. Viele reagieren mit Wut, Trotz oder Verzweiflung. Wenn ein Familienmitglied an Demenz erkrankt und die Angehörigen nicht ausreichend über die Krankheit informiert sind, kommt es dann häufig zu Konfliktsituationen. Dabei kann ein sensibler, verständnisvoller Umgang mit dem Demenzkranken die Kommunikation deutlich verbessern. Aus diesem Grund ist es wesentlich, sich in die Gefühls- und Erfahrenswelt des Betroffenen hineinzuversetzen. Den Betroffenen zu verstehen heißt auch, ihm helfen zu können und auf diese Weise seine Lebensqualität so lange wie möglich zu erhalten.

Der Begriff Demenz umfasst eine Reihe von Erkrankungen, die alle zu einem kontinuierlichen Schwund der geistigen Leistungsfähigkeit führen. Mit einer Demenzerkrankung gehen schwerwiegende Persönlichkeits- veränderungen des Betroffenen einher. Beeinträchtigt werden zunächst Gedächtnisleistung, Denkvermögen sowie Orientierungssinn. Im Verlauf der Krankheit nehmen auch das Sprachvermögen und die motorischen Fähigkeiten ab. Im schwersten Stadium der Krankheit verliert der Erkrankte jegliche Kontrolle über seinen Geist und Körper und muss rund um die Uhr betreut werden.

Demenz

Bild: Uhrentest zur Früherkennung von Demenz

Leichte Demenz

Der Betroffene selbst spürt seine nachlassende geistige Leistungsfähigkeit deutlich und reagiert oft launisch oder bedrückt. Um nicht durch die Krankheit aufzufallen, geben viele Betroffene ihre sozialen Kontakte oder Hobbys auf. Da sie zunehmend auch längeren Gesprächen, Texten oder sogar Fernsehbeiträgen nicht mehr folgen können, lässt auch ihr Interesse am Alltagsgeschehen nach.

Erste Anzeichen für eine Demenz?
Der Betroffene …

  • vergisst häufiger Termine oder sucht nach Dingen
  • hat Schwierigkeiten mit gewohnten Tätigkeiten
  • wirkt unbesonnen im Umgang mit Finanzen
  • findet sich schwer in neuen Umgebungen zurecht
  • wirkt oft unmotiviert, niedergeschlagen oder müde
  • vernachlässigt Hobbys oder den Freundeskreis
  • zeigt deutliche Persönlichkeitsveränderungen
  • streitet Fehler oder Irrtümer hartnäckig ab

Mittlere Demenz

Das Kurzzeitgedächtnis versagt zunehmend, und nicht abgeschlossene Handlungen im Haushalt können mitunter lebensbedrohlich werden. Bei dem Großteil der Demenzkranken lässt die Sprach- und Lesefähigkeit nach. Häufig bringen die Betroffenen Realität, Erinnerung und unwirkliche Ereignisse (z. B. eine Fernsehsendung) durcheinander. Viele flüchten sich in Erinnerungen an ihre Kindheit oder Jugend zurück. Da diese Erfahrungen länger zurückliegen, sind sie im Langzeitgedächtnis auch bei fortschreitender Demenz noch länger präsent.

Schwere Demenz

Im Folgenden erleidet auch das Langzeitgedächtnis schwere Schäden. Spätestens jetzt erkennen die Betroffenen auch ihre nahen Angehörigen nicht mehr und verlieren vollständig den Bezug zu Raum und Zeit. Oft ist auch der Tages- und Nachtrhythmus gestört. Im Endstadium der Krankheit verliert der Demenzkranke jegliche Kontrolle über seinen eigenen Körper, einfachste Handgriffe können nicht mehr selbst verrichtet werden.

Die meisten Demenzerkrankungen sind bisher nicht heilbar. Dennoch kann eine fachgerechte Therapierung der Krankheit ihre Begleitsymptome lindern, die geistigen Fähigkeiten des Demenzkranken verbessern und seine Alltagskompetenzen über einen längeren Zeitraum erhalten. Im Umgang mit der Demenz stehen heutzutage vielfältige Therapiemöglichkeiten zur Verfügung, die sowohl medikamentöse als auch nichtmedikamentöse Behandlungen einschließen. Der Schwerpunkt sollte dabei stets auf die nachhaltige, nichtmedikamentöse Pflege gelegt werden. Eine erfolgreiche Therapie ist individuell auf den geistigen, körperlichen und seelischen Zustand des Erkrankten abgestimmt und wird mit Fortschreiten der Krankheit immer wieder entsprechend optimiert.

Kunst- und Musiktherapie

Durch Klang- und Farberfahrungen werden alle Sinne des Demenzerkrankten angesprochen.

Kinästhetik

Auf die Bedürfnisse des Demenzkranken abgestimmt, wird die Bewegungsfähigkeit hinsichtlich alltäglicher Aktivitäten trainiert.

Verhaltenstherapie

Im frühen Stadium der Krankheit wird im Gespräch mit einem Psychologen oder Psychotherapeuten der Umgang mit der Demenz verarbeitet.

Milieutherapie

Die Lebensräume werden individuell unter Berücksichtigung der Vorlieben des Demenzkranken gestaltet, sodass er sich darin wohl und zu Hause fühlt.

Biografiearbeit

Eine gemeinsame Beschäftigung mit der Biografie des Demenzkranken weckt positive Erinnerungen und hilft Pflegenden später, das Verhalten des Betroffenen besser zu beurteilen.

Kognitives Training

An die Leistungsfähigkeit des Demenzkranken angepasst, werden seine geistigen Kompetenzen gezielt trainiert und gefördert.

Validation

Die Pflegenden gehen hierbei besonders einfühlsam und bejahend auf den Demenzkranken ein. Durch Bestätigung wird Vertrauen gestiftet.

Basale Stimulation

Insbesondere bei schwer Demenzkranken umfasst dies die Anregung der Sinne mithilfe von Berührung, Musik, Gerüchen und Geschmack.

  • Seien Sie geduldig und lassen Sie dem Betroffenen genug Zeit zum Reagieren!
  • Stellen Sie vor jedem Gespräch Blickkontakt mit dem Demenzkranken her und sprechen Sie ihn namentlich an.
  • Geben Sie klare Anweisungen. Jeder Satz sollte nur eine Information enthalten, wichtige Informationen müssen Sie gegebenenfalls mehrfach wiederholen.
  • Unterstreichen Sie Ihre Worte durch einen sanften Ton, Lächeln und Berührungen.
  • Stellen Sie nach Möglichkeit keine offenen Fragen.
  • Loben Sie statt zu kritisieren
  • Überhören Sie Vorwürfe und Anschuldigungen.
  • Vermeiden Sie Diskussionen. Geben Sie im Zweifelsfall dem Erkrankten recht.
  • Sorgen Sie für Beständigkeit im Tagesablauf. Sichtbar angebrachte Uhren, Kalender oder Fotos von Familienangehörigen können ein Gefühl von Sicherheit vermitteln.
  • Räumen Sie falsch platzierte Gegenstände unbemerkt an ihren richtigen Platz zurück.
  • Übernehmen Sie nicht alle Aufgaben für den Kranken. Lassen Sie ihm Zeit, leichte Handgriffe selbst zu erledigen, oder übergeben Sie ihm bewusst leichte Aufgaben im Haushalt. Auf diese Weise stärken Sie nachhaltig sein Selbstwertgefühl.
  • Sprechen Sie alle Sinne des Erkrankten an.
  • Erinnern Sie den Betroffenen an Erlebnisse aus seiner Kindheit oder Jugend. Mit dieser Zeit werden oft positive Gefühle verbunden.

Das mitunter kindliche Verhalten veranlasst Angehörige und Pflegende oft dazu, Demenzkranke wie Kinder zu behandeln. Dies ist insofern falsch, als dass den Demenzkranken die Fähigkeit des Erlernens abhandengekommen ist. Es nützt also nichts, dem Betroffenen in gewissen Situationen mit Belohnung oder gar Strafe zu drohen, wenn er sein Verhalten doch beim besten Willen nicht ändern kann.

Fühlen Sie sich in die Erfahrenswelt Ihres demenzkranken Familienmitglieds ein und lernen Sie auf diese Weise sein Verhalten zu verstehen. Während die geistigen Fähigkeiten zunehmend nachlassen, wird das Bewusstsein durch die Krankheit nicht getrübt und der Demenzkranke nimmt Empfindungen intensiv wahr.

Expertentipp

Gertrud Graf

Leitung Seniorplace Service Center

Neben einer qualifizierten Therapie sind vor allem Verständnis und Fürsorge entscheidend im Umgang mit der Demenzkrankheit.

Zwischen Pflege, Beruf und Familie

Vergessen Sie über die Pflege eines demenzkranken Angehörigen nicht sich selbst und Ihre Bedürfnisse. Wann haben Sie sich zuletzt mit Ihrer besten Freundin getroffen? Oder sich mit Freunden zum Sport verabredet? Ihre Hobbys und Ihr Freundeskreis sind wichtige Stützen in einer anstrengenden Zeit. Sportliche Betätigung kann ebenso helfen wie Autogenes Training, um einen Ausgleich zur Pflege zu schaffen. Informieren Sie sich außerdem über Möglichkeiten der Kurzzeit– und Verhinderungspflege und nehmen Sie sich rechtzeitig eine Auszeit! > zu den Wohnformen

Nehmen Sie teilstationäre Pflege (Tagespflege) in Anspruch

Wenn Sie Ihr demenzkrankes Familienmitglied nicht in eine Pflegeeinrichtung geben wollen, können Sie dennoch das Angebot der Tagespflege nutzen. Viele Einrichtungen sind auf Demenzkranke spezialisiert und bieten individuelle, fördernde Therapieangebote an.

Austausch mit anderen pflegenden Angehörigen

In Internetforen, Blogs oder vor Ort können Sie sich in Selbsthilfegruppen mit anderen pflegenden Angehörigen austauschen. Oft hilft es schon zu wissen, dass man mit dieser schwierigen Situation nicht ganz allein ist. Denn die langjährige Betreuung eines pflegebedürftigen Menschen ist ein enormer Kraftakt. Der anonyme Selbsttest von Seniorplace ermöglicht es Ihnen, die Warnsignale körperlicher oder seelischer Überlastung frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu reagieren. > zum Selbsttest

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